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Donnerstag, 13.12.2018

Wittringer Mühlenbach

Wittringer Mühlenbach naturnahen Ausbau©Michael Korn

Ein Relikt füherer Herrlichkeit

Der Natur interessierte Beobachter muß schon historische Daten zu Hilfe nehmen, um sich ein Gesamtbild dieses Baches zu erarbeiten. Von seinem ehemals etwa 6 km langem Fließgewässerstrecke sind zirka 8 % in einem naturähnlichen Zustand , 50 % reguliert und 25 % Verrohrt oder durch die menschliche Einflußnahme völlig vom Erdboden verschwunden . Die Länge der Laufstrecke beträgt zurzeit rund 3, 1 km, das Einzugsgebiet umfaßt eine Fläche von 683 Hektar. Aus den Wirren der Geschichte konnten sich noch zwei Quellbäche in die heutige Zeit herüber retten. Der eine entspringt nahe der Gecksheide in Buer – Heege , ist aber nur noch als Entwässerungsgraben erkennbar. Der zweite Ursprung liegt etwas südlich von Puls – Rosör in Buer.

In der Nähe der Kleingartenanlage Offermanns Hof speist einer von ihnen eine kleine Teichanlage, nach dem Teich Austritt vereinigen sich beide zum Wittringer Mühlenbach. Dieser etwa 530 m lange mäandrierendes Fließgewässer mit begleitenden Gehölzsaum oder Kopfweiden ist im Landschaftsplan Gladbeck Nr . 4 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Röhrichtzonen, Hochstaudenfluren und ein Schilfgürtel säumen seine Ufer. Die Pflege und Unterhaltung des Kopfbaumbestandes wird durch geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter der Naturschutzverbände vor Ort geleistet.

Bei biologischen Bachuntersuchungen des Verfassers vom Naturschutzbund Gladbeck wurden leider kaum Fließgewässer typische Arten der Bachfauna nachgewiesen, daß vorhandene Artenspektrum beherrschen Arten aus der Stillgewässer Fauna . Nach dem Verlassen des Naturschutzgebietes verschwindet er in der Versenkung . Er tritt erst wieder in Erscheinung südlich der Goethe – Straße wo er lange Zeit sein Leben als offener Abwasservorfluter ertragen mußte . Des weiteren ergießt sich die vollständig Verrohrte Gladebecke dazu. Er spendete in der Vergangenheit sein Wasser für die Gräften und Teiche, trieb dort auch an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Mühlen an. Die Bekannteste ist wohl die des Gräftenhofes Haus Wittringen, dessen Mühle dem Wittringer Mühlenbach seinen Namen gab. Sie wird erstmalig im Jahre 1263 erwähnt.

Bis zu Beginn des 20 Jahrhunderts geriet die Anlage zunehmend in Vergessenheit und wurde dem Verfall preisgegeben . Als historisches Relikt zeugt heute noch das alte Mühlrad von der einstigen Wasserkraft Nutzung. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung in unserer Stadt durch den Bergbau setzte die Verstädterung des Dorfes Gladbeck massiv ein. Das bedeutete für einige Fließgewässer im Stadtgebiet das Todesurteil! Im Südteil unserer Heimatstadt bestimmen Abwasservorfluter, Halden und Industriebrachen das Bild der Landschaft. Eine klein bäuerliche strukturierte Kulturlandschaft wurde geopfert für eine Industrielandschaft.

Regulierung, Vertiefung, Verlegung und Abwässer in jeglicher Form führten zur Degradierung auch des Wittringer Mühlenbaches. Im Zuge der geplanten Umgestaltung des Emschersystemes hat der Wittringer Mühlenbach im Jahre 2010 wieder ein naturähnliches Erscheinungsbild erhalten.

Michael Korn