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Donnerstag, 13.12.2018

Quälingsbach

Quälingsbach NSG©Michael Korn

Ein Bach mit Bergbau geprägter Vergangenheit

Könnte er Reden, könnte er wohl einiges über den Umgang mit der Natur und den Fließgewässern in der Vergangenheit dem interessierten Naturbeobachter mitteilen. In seiner Lebensgeschichte mußte der Quälingsbach vieles ertragen, was ihn auf lange Zeit seine Lebensfreude nahm. Als der Bergbau noch das Leben in unserer Stadt bestimmte, flossen unzählige Mal ungeklärte Abwässer aus Zechen und Siedlungen in sein Bett. Der Bergbau ist zwar heute Geschichte aber die Hinterlassenschaften aus der früheren Vergangenheit belasten ihn bis in die Gegenwart.

Der Quälingsbach besitzt vier noch feststellbare Quellzuflüsse, wobei der an der Bellmann – Straße vorhandene Zufluss wohl die Hauptquelle darstellt. Aus rein fachlicher Sicht kann hier nicht mehr von einer intakten Quelllebensgemeinschaft mit den typischen Tier – und Pflanzenarten gesprochen werden. Bei einer chemischen Gewässeruntersuchung aus dem Jahre 1991 / 92 vom Bund für Umwelt und Naturschutz Ortsgruppe Gladbeck und des Naturschutzbund Gladbeck stellte man Erstaunliches fest! Im Quellgebiet des Quälingsbach wurden extrem hohe Leitfähigkeiten ermittelt. Das heißt, dass eine Flüssigkeit besonders dann gut den elektrischen Strom leiten kann, wenn Elektrolyte wie zum Beispiel Natrium oder Chlorid in hoher Konzentration im Wasser vorhanden sind. Der Spitzenwert lag bei einer Messung bei 9000 Mikro – Siemens / cm, dass bedeutet ein Salzgehalt der dem des Meerwassers um weiten übertrifft. Die Ursache hierfür dürften in Sickerwässern aus der nahegelegenen Kohlehalde der ehemaligen Zeche Zweckel zu suchen sein. Das solche Extremwerte kaum biologisches Leben aufkommen lassen ist auch für einen Laien ersichtlich.

Erstaunlicherweise ändert sich das Bild nach etlichen Metern zum Positiven, die biologische Selbstreinigungskraft verhilft der Bachfauna zu besseren Lebensbedingungen. Er fließt nun als kleines langsames Bächlein durch den Zweckler Wald, wo er von naturnahem Laubwald beschützt wird. Der menschliche Übereifer hat in leider auch an diesem Ort ereilt, so war es früher Usus jeden kleinen Bach zu begradigen und die Ufer durch Verbau zu sichern. Nach dem verlassen des Zweckler Waldes und Unterqueren der Berliner – Straße mündet er in den Quälingsteich. Bei dem Austritt aus der Teichanlage wird der Blick frei auf die Reste eines naturnahen Bachverlaufs. Strukturen wie begleitende Hochstaudensäume, Naß und Feuchtweiden und bäuerliche Strukturen wie Obstwiesen und Kopfbaumreihen Säumen seine Ufer. Erfreulicherweise ist dieser Bachabschnitt von etwa 800 Metern als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden.

Fließgewässer im urbanen Raum verändern ständig durch die menschlichen Aktivitäten ihr äußeres Erscheinungsbild in der Stadtlandschaft. Das gilt natürlich auch für den Quälingsbach, so können naturnahe oder naturferne Fließgewässerstrecken nur wenige 100 Meter auseinander liegen. Ab Haus Quäling fließt er von Pappeln gesäumt schnurgerade in Richtung der A 31. Die Gewässerqualität verschlechtert sich mit der Aufnahme der Abwässer der Autobahn – Entwässerung. Wie in vielen älteren Veröffentlichungen beschrieben wurde, mündete der Quälingsbach in früheren Zeiten in den Brabecker Mühlenbach. Dies ist Geschichte und entspricht nicht mehr der heutigen Realität! Im Zuge des Baus, der A 31, wurde, der Unterlauf des Quälingsbach gekappt. In der Nähe der Hofanlage Sump nimmt er den Böcklers Graben auf und ergießt sich im weiteren Verlauf im Bereich des Hofes Borgwerth in die Boye.

Michael Korn