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Donnerstag, 13.12.2018

Becks Mühlenbach

Becks Mühlenbach©Michael Korn

Eine Entdeckungsreise in die Becks Mühlenbachaue im Gladbecker Norden

Der Becks Mühlenbach gehört zu den unbekanntesten Gladbecker Fließgewässern. Er fließt mit der Breiker Bach als einziger Bach unserer Heimatstadt nicht zur Emscher hin sondern der Lippe zu, denn die Quelle liegt nördlich der Wasserscheide zwischen den beiden Flüssen. Der Becks Mühlenbach entspringt im Waldgebiet nördlich der ehemaligen Phenol – Chemie. Hier gibt es mehrere kleine Rinnsale, die sich in der Höhe der Arenbergstraße – Liboriweg zu einen Bach vereinen. Auf einer Länge von mehr als zwei Kilometer bildet er die Stadtgrenze zwischen Gladbeck und Bottrop.

Er ist zwar nicht der bekannteste Bach in unserer Stadt aber aus naturkundlicher Sichtweise gehört er wohl zu den naturnahsten Fließgewässern im Stadtgebiet. Er hat seinen Charakter trotz Bergbau, Landwirtschaft und Forstwirtschaft und Eingriffe von Wasserbauern als Lebensader der Kulturlandschaft bewahrt. Was viele Fließgewässer in unserer Stadt nicht mehr besitzen, ist eine Weichholzaue, die der Fachmann auch als Erlenbruchwald bezeichnet wird.

Der Becks Mühlenbach hat sie mit der typischen Pflanzengesellschaft. Besonders im Frühjahr bietet er eine Farbenpracht sondersgleichen. Sumpfdotterblume, Lerchensporn, Waldprimel, Milzkraut und Bitteres Schaumkraut so wie andere Blütenpflanzen blühen um die Gunst der Insekten und des menschlichen Betrachters.

Auch bei den Tieren gibt es für den Naturfreund etliches zu entdecken. Wer hat schon mal den Dreieckskopfstrudelwurm gesehen oder den Bachflohkrebs. Der Bachflohkrebs ist einer der bedeutendsten Mitglieder der Lebensgemeinschaft Bach. Das etwa 1 – 2 cm große Tier ist der Nahrungsbereiter für fast alle im Gewässern lebenden Organismen. Er versteckt unter Blättern und Steinen im Bachbett. Die Bachfohkrebse sind in der Lage, schwer verwertbares organisches Pflanzenmaterial (z. B. Blätter) als Nahrung für sich und andere zu erschließen. Ohne diese Tiergruppe und anderen Vertretern von Bakterien, Pilzen, Insekten um nur einige Tierarten aufzuzählen würde es keine biologische Selbstreinigung im Bach geben. Ein ungewöhnlicher Vertreter der Fließgewässer Fauna sind die Strudelwürmer, sie verdanken ihren Namen dem dichten Wimpernkleid, das ihren ganzen Körper bedeckt. Es dient nicht nur zur Fortbewegung auch zum Herbeistrudeln frischen Atemwasser. Die Strudelwürmer sind Zwitter mit innerer Befruchtung, wobei sich die Jungtiere bei der Geburt durch den Körper der Eltern bohren! Die Muttertiere überstehen das ohne Schaden zu nehmen.

Dieses positive Bild einer trotz menschlicher Eingriffe veränderten Bachlandschaft darf nicht darüber hinweg täuschen, dass auch der Mühlenbach seine Probleme hat. Einleitungen aus der Landwirtschaft sind heute noch Gang und gebe, Bachbegradigungen und Uferbefestigungen haben auch ihn in Mitleidenschaft gezogen, zu kleine Durchlässe unter Straßen und Wegen wirken wie eine Grenze für Wanderer im Tierreich. Kein Fisch oder Lurch bewegt sich durch ein schmales Rohr, die Öffnungen müssen groß genug sein das Sie nicht von den Tieren als Barriere wahrgenommen werden. Die forstliche Nutzung der letzten Erlenbruchwälder zur Aufforstung von Pappeln sollte aus Naturschutz Gesichtspunkten unterbleiben. Der Schutz der letzten noch halbwegs intakten Bachsysteme in unserer Stadt sollte Vorrang vor wirtschaftlichen Erwägungen haben!

Michael Korn