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Montag, 18.12.2017

Neophyten in Gladbeck

Sommerflieder©Michael Korn
Japanischer Staudenknöterich©Michael Korn

Neophyten – die Neubürger im Pflanzenreich

Als Neubürger bezeichnet man Pflanzen (Neophyten), die in historischer Zeit in einem Gebiet aufgetreten sind. Zu den Neophyten werden im Allgemeinen solche Pflanzenarten gezählt, die nach dem Jahre 1500, also in der Neuzeit bei uns eingewandert sind. Schon im frühen Christentum gab es den Begriff Neophyt die griechische Bezeichnung für einen neu getauften Christen. Seit dem 19 Jahrhundert wird diese Bezeichnung Neophyten in der Botanik verwandt. In die deutsche Sprache übersetzt spricht mann von neuen Pflanzen. Eine besondere Rolle bei der Verbreitung dieser Pflanzen spielt der Mensch! Teils wurden sie unabsichtlich im Zuge der zunehmenden weltweiten Handelsbeziehungen und Verkehrsströme eingeschleppt, oder sie kamen als Zierpflanzen in botanische Gärten und Parks, später auch in Hausgärten. Andere Arten wurden sogar ausgesät, um als Nutzpflanzen zu dienen.

Irgendwann haben sich diese Pflanzen in die freie Natur ausgewildert! Genau genommen sind ja alle Pflanzen in Mitteleuropa, bestenfalls Spätheimkehrer. Die nach der letzten Eiszeit wieder eingewandert sind. Als Ausbreitungsmedium waren Wasser, Luft, Tiere und der Mensch sehr hilfreich. Der Mensch hat hauptsächlich indirekt durch alltägliche, ungezählte Transporte Ablagerungen von Erdmaterial, Bauschutt und Deponiegut den Siegeszug der Neophyten beschleunigt. So ist es nicht verwunderlich das besonders im Ruhrgebiet die Neubürger in Pflanzengestalt sich einen festen Platz in unserer Flora erobert haben. Im gesamten Ruhrgebiet gibt es rund 6000 Hektar Flächen aus früherem Bergbau und montanindustrieller Nutzung.

In Gladbeck einer kleinen Stadt mit etwa 78 000 Einwohnern beträgt die bergbauliche Hinterlassenschaftsfläche aus der Vergangenheit 36 Hektar Zechenbrachen und 100 Hektar Haldenflächen. Es gelingt natürlich nicht allen Arten, in den jeweiligen Floren dauerhaft Fuß zu fassen, aber bezogen auf das alte Bundesgebiet sind bereits schon 267 neophytische Arten bekannt. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich einige Arten rasant ausgebreitet. Am augenfälligsten säumen sie an Bahnlinien wie z. B. das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), Riesengoldrute (Solidago gigantea), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und der Sommerflieder (Buddlaja davidii) den West – und Ostbahnhof in Gladbeck.

Es werden überwiegend Standorte besiedelt, die der Mensch in der einen oder anderen Form geschaffen wurden, z. B. offene Bodenstellen aufweisen und somit die Ansiedlung der Arten begünstigen. Bekanntlich schießen ja die Neubaugebiete in unserer Stadt wie die Pilze aus dem Boden im Schlepptau dieser Aktivitäten des menschlichen Erwerbsstreben fahren die pflanzlichen Neubürger z. B. das Kanadische Berufskraut (Conyza canadensis) als blinde Passagiere ohne das der Mensch seinen Einfluss geltend machen kann mit zur nächsten Baulanderoberung.                                                                                 Michael Korn