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Donnerstag, 13.12.2018

Boye

Boye Oberlauf©Michael Korn
Naturnah umgestalteter Mittellauf©Michael Korn
Boye Abwasservorflute©Michael Korn

Vom Reinwasser - Bach zur Kloake

Ohne die Boye währe die Beschreibung der Gladbecker Bäche unvollständig und lückenhaft. Von Ausnahmen abgesehen münden fast alle heimischen Fließgewässer in unserer Stadt in die Boye hin. Ein Einzugsgebiet von etwa 77 Quadratkilometern, der Zufluss von 10 Nebenbächen lassen diesen größten Bach im Stadtgebiet zu einer imposanten Erscheinung in der heimischen Kulturlandschaft werden. Obwohl das heutige Erscheinungsbild dem Betrachter eher im wahrsten Sinne des Wortes die Nase rümpfen lässt! Dazu später aber mehr.

Die Deutung des Namens Boye vermutet man ließe sich vom lateinischen badius gleich kastanienbraun ableiten. Die Boye währe dann der braune Bach. Nach früherer Auffassung entsteht die Boye aus der Vereinigung des Spechtsbach und des Brabecker Mühlenbaches, die zwischen der Hegestrasse und dem ehemaligen Gehöft May – Lahove zusammenfließen. Aus heutiger Sicht ist diese historische Auffassung wohl als falsch anzusehen. Richtig ist, dass die sogenannte Kleine Boye der Quellbach, daher den Oberlauf darstellt, während der Mittel – und Unterlauf den Namen Boye führen. Wo entspringt nun Gladbecks größter Bach? Ihr Ursprung liegt in Kirchhellen – Holthausen auf der Kämpe. In der Nähe des Hofes Borgwerth vereinigen sich Kleine Boye und der Brabecker Mühlenbach und bilden von jetzt ab die Grenze zwischen Gladbeck und Bottrop.

Ein historischer Rückblick in die Vergangenheit dieses Bachsystems bringen einige erstaunliche Informationen zu Tage. Nach der Gründung der Emschergenossenschaft im Jahre 1904 war diese Lebensader der Landschaft ein reiner Bach, der durch seinen Fischreichtum weithin bekannt war. So bezog das Labor der Emschergenossenschaft damals zu Versuchszwecken die Fische, die aus der Boye stammten. Lange Zeit war man bestrebt mit Rücksicht auf den überwiegend landwirtschaftlichen Charakter des Gebietes, besonders im Mittel – und Oberlauf, sie vor Zechenabwässer zu schützen!

Dieses Bild änderte sich schlagartig, als die Zechen Mathias – Stinnes und Graf Moltke, die ihre Doppelschachtanlage im großen Maße ausgebaut und durch umfangreiche Nebenproduktionsgewinnungsanlagen erweitert hatten und ihre Abwässer der Boye zuleitete. Später kamen auch noch die Schachtanlagen Zweckel und Scholven dazu. So wurde aus einem rein Wasser Bach in wenigen Jahren eine Kloake. Die Wirkung auf dem flach im Gelände eingeschnittenen Bachverlauf, der natürlich solchen Fremdwassermengen nicht gewachsen war, war erschreckend. Bei jeden stark Regenereignissen trat das mit Kohleschlamm und anderen Rückständen der Produktion durchsetzte Wasser über die Ufer und lagerte seine gifte Fracht in die durch Senkungen entstandenen Niederungen ab. Die früher durch üppiges Grün stehenden Weideflächen mit einer ausgedehnten Viehwirtschaft geprägten Bachlandschaft haben sich in übelriechende Sümpfe umgewandelt.

Um wieder einen einigermaßen erträglichen Zustand für die anliegende Bevölkerung zu schaffen, begann man etwa um 1911 mit der Vertiefung der Bachsohle. Weitere Maßnahmen wie Eindeichung, Verkürzung der Bachstrecke folgten und führten zum heutigen Zustand als Abwasservorfluter. Verschmutzt und in ein enges Betonbett geschnürt, erinnert nur noch wenig an die glorreiche Vergangenheit! Im Zuge der internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) gibt es Bestrebungen die Sünden der Vergangenheit durch den ökologischen Umbau des Boye – Systems eine Wiedergutmachung an der so gepeinigten Natur unseres Raumes zu leisten. Bis zur Mündung in die Emscher (Stadtgrenze Bottrop/Essen) soll der gesamte Abwasserlauf inklusive der Zuflüsse unter ökologischen, landschaftsgestalterischen und städtebaulichen Gesichtspunkten umgebaut werden.

Michael Korn