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Freitag, 14.12.2018

Haarbach

Alter Haarbach©Michael Korn
Haarbach naturnahe Umgestaltung©Michael Korn
Abwasservorfluter Haarbach©Michael Korn

Der Haarbach vertieft, begradigt und eingedeicht!

Wenn es einem Negativbeispiel bedarf, für die Zerstörung und Veränderung der Fließgewässer in unserer Stadt, so ist der Haarbach wohl das Nonplusultra! Ohne historische Karten ist der Verlauf dieses Baches in der heutigen Kulturlandschaft nicht mehr nachvollziehbar. Ein mehrere Kilometer langes Bachsystem ist im wahrsten Sinne des Wortes den Bach herunter gegangen. Er wurde dem menschlichen Nützlichkeitsdenken geopfert!

Der Haarbach hatte in ferner Vergangenheit zwei Quellzuflüsse; der eine entsprang auf der Höhe der Zeche Scholven, der andere südlich der Spiekerheide nahe der Grenze Buer – Bülse. Durch den Bahnbau um 1906 versiegten und verschwanden die Quellen. Im Zuge der Industrialisierung begann die systematische Zerstörung einer alten kleinbäuerlich strukturierten Kulturlandschaft. Die heimischen Fließgewässer wurden bei diesen radikalen Veränderungen in der Landschaft nicht verschont. So musste der Haarbach etliche ungeklärte Abwässer von diversen Zechen wie Scholven, Möller, Zweckel und Westerholt jahrelang aufnehmen und verkraften. Noch im Jahre 1913 war er von Zechenwässern unbelastet.

Durch den unterirdischen Abbau der Steinkohle, entstanden oberirdisch Senkungen, diese Mulden füllten sich in nähe von Bächen sehr schnell mit dem versuchten Bachwasser. Eine Ursache für diese Entstehung einer Wasserlandschaft ist die Veränderung der Topographie des Geländes. Das hatte nun wiederum einen Einfluss auf die Abflußverhältnisse eines Fließgewässers vor Ort, die Bäche besaßen nicht mehr das nötige Gefälle um den Abfluß des hauptsächlich ja nur noch aus Abwasser bestehenden Bachwassers zu gewährleisten. Also mussten weitere Schritte folgen.

Das bedeutete: für den Haarbach Vertiefung, Begradigung, Verkürzung und Eindeichung. Diese Regulierungsmaßnahmen fanden in den Jahren 1918 – 1919 statt. Der heutige Restverlauf des Haarbaches zeigt die üblichen Erscheinungsformen urbaner Fließgewässer im Emscherraum. Kleiner Reinwasserzulauf in der Nähe des Nordparks, Verrohrung nach Austritt des Nordparkteiches und als Letztes, der stinkende Rest, eines offen geführten Abwasservorfluters im Stadtteil Rentfort – Nord.

Bei genauem Studium des Kartenmaterials und einer Begehung vor Ort findet man doch noch einen kläglichen Rest eines Baches, mit dem Namen Alter Haarbach! Durch menschliche Einflußnahme ist er ein austrocknender Bach geworden. Im Gegensatz zu natürlichen – temporären Gewässern sind anthropogen – temporäre Gewässer ökologisch nicht wertvoll und deshalb aus naturschutzfachlicher und ökologischer Sicht unerwünscht. Das dieser Zustand natürlich Auswirkungen auf die Fauna der Wirbellosen hat ist verständlich. Die biologische Gewässeruntersuchung bringt für den Fachmann, dass zu erwartende zutage, Artenarmut und das typische Spektrum von Allerweltsarten bestimmen das Bild. Die Ursache für diesen Wassermangel ist einerseits die drastische Verkleinerung des Einzugsgebietes, andererseits steht sie auch in Zusammenhang mit einer Drainage auf einer Grünlandfläche nördlich der Hornstraße. Dort wurde in den 1980er Jahren eine Feuchtwiese nahe dem Alten Haarbach trotz Proteste des Bund für Umwelt und Naturschutz, Naturschutzbund - Gladbeck und dem städtischen Grünflächenamt trocken gelegt.

Gerade zu grotesk sind in diesem Zusammenhang die Maßnahmen der Unteren Wasserbehörde des Kreises Recklinghausen zu bezeichnen. Ohne Rücksichtnahme auf Natur – und Artenschutz, ist eine Hochstaudenflur im Bachbett die gleichzeitig auch als Laichplatz für Amphibien diente, weil sie den Abfluss behinderte aus vormalen Gründen entfernt worden.

Im Zuge der ökologischen Umgestaltung der Emscher und seiner Nebenbäche gibt es Planungen auch dem Haarbach (Abwasservorfluter) ein naturnahes Erscheinungsbild zu geben. In den Jahren 2009 - 2010 wurden naturnahe Umgestaltungsmaßnahmen von der Emschergenossenschaft am Haarbach im Bereich Nordparkteichauslauf, Möllerhalde Richtung Kampstraße in Angriff genommen und teilweise auch fertiggestellt.

Michael Korn