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Donnerstag, 13.12.2018

Tierschutzverein Gladbeck

Wenn Pflege von gefunden Tieren notwendig ist, dann sollten Pflegemaßnahmen nur von geschulten Personen durchgeführt werden. Fundierte Hilfe Tierschutzverein Gladbeck Am Nattkamp 108, 45968 Gladbeck. Tel 02043-32310

Der Igel das Wildtier 2009

Igel©Michael Korn

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild hat den Igel zum „Wildtier des Jahres 2009“ gekürt. Zusammen mit den Maulwürfen und den Spitzmäusen zählt der Braunbrust-Igel (Erinaceus - europaeus) zur Ordnung der Insektenfresser. Wie viele andere Arten zieht es auch Igel aus der ausgeräumten Landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen. Hier finden sie Lebensraum, Nahrung und die nötigen Unterschlüpfe zum Überleben. Normalerweise besiedelt unser Wildtier des Jahres kleinräumige, reich strukturierte Landschaften, wie Bachläufe, Heckenränder, Waldränder und Garten- und Friedhofsanlagen.

 

Als so genannter Sympathieträger ist der Igel mit seinem niedlichen Äußeren aber auch ein Paradebeispiel für die Vermenschlichung und Bambimentalität der breiten Öffentlichkeit, die das Aussterben von Tieren die keinen Sympathiebonus besitzen nicht wahrzunehmen scheinen, die aber Vorstellungen von Abläufen in der heimischen Natur verinnerlicht haben à la Walt Disney, die mit dem realen Leben nichts gemein haben.

 

Es ist schon die Ironie des Schicksals, das wir unseren Knopfaugen-Sympathieträger über alles lieben, man erinnere nur an die jährlichen Sammelorgien von so genannten untergewichtigen Tieren, aber gleichzeitig die mobilitätsvernarrte Gesellschaft Tausende Igel in Deutschland mit Automobilen tötet. Die Sterblichkeitsrate durch den Straßenverkehr ist bei männlichen Tieren wesentlich höher als bei den Weibchen, da die männlichen Tiere einen größeren Aktivitätsradius haben. Besonders im Siedlungsraum ist die Mortalitätsrate dementsprechend hoch. Der Igel als Kulturfolger hat einerseits einen erheblichen Vorteil sich an menschliche Gegebenheiten anzupassen, andererseits ist der Mensch der größte Feind, zwar meistens unbeabsichtigt, in einer Kulturlandschaft mit urbanen Umfeld.

 

Als dämmerungs- und nachtaktives Tier besitzt der Igel ein sehr breites Nahrungsspektrum. Auf dem Speiseplan sind verzeichnet: Laufkäfer, Larven von verschiedenen Nachtschmetterlingen und sonstigen Sechsbeinern, Regenwürmern, Schnecken, Asseln, Hundert- und Tausendfüßlern und nicht zu vergessen, Spinnentiere. Etwas aus dem Rahmen fallen in dieser Menüliste Frösche, Eidechsen, Schlangen, Hühnerküken sowie Wühlmausjunge aus dem Nest. In einigen wissenschaftlichen Untersuchungen ist sogar davon die Rede, dass der Igel einen größeren Einfluss auf den Bestand bodenbrütender Vogelarten habe. Eigentlich ist er ja kein Pflanzenfresser, es gibt aber Beobachtungen vom Verzehr von Pilzen, Früchten und menschlichen Speiseresten aus Dosen und Plastikbechern. Das ist aber wohl eher die Ausnahme, denn tierische Nahrung hat den höchsten Energie- und Nahrungswertgehalt. Tierische Nahrung ist für so ein kleines Tier der wichtigste Faktor der Anpassung, damit er sich im Herbst die nötigen Fettreserven für den Winterschlaf anfressen kann.

 

Seine Aktivitätszeit beginnt mit der Abenddämmerung und endet mit dem Sonnenaufgang. Von April bis etwa Oktober erstreckt sie sich in der Zeit von 19 Uhr bis 6 Uhr. Während des Jahresverlaufs ist er an 215 bis 230 Tagen aktiv. Von Oktober bis März sind die meisten Tiere im Winterschlaf. Wenn es Aktivitätsphasen in dieser Zeit gibt, dann bedeutet das in der Regel, dass diese Tiere einen schlechten Ernährungszustand haben oder erkrankt sind. Die Ruhepausen verbringt er an Tagesschlafplätzen unter Dornengestrüpp, Hecken, Rabatten, Reisig und Komposthaufen. Vereinzelt werden auch sichere Versteckmöglichkeiten in der Nähe menschlicher Behausungen wie z. B. Schuppen und alte Bauwerke aufgesucht. Im Laufe des Jahres benutzen die Igel verschiedene Schlafplätze, wobei Männchen eine größere Anzahl verwenden als die Weibchen.

 

Verlauf und Länge des Winterschlafes hängen von der Witterung ab, der längste Winterschlaf betrug nach einer wissenschaftlichen Untersuchung 178 Tage. Während des Winterschlafes verlieren sie 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichtes. Igel wiegen je nach Jahreszeit und Geschlecht im Durchschnitt ein Kilogramm, in der Regel 800 bis 1500 Gramm. Bringen Jungigel Anfang November in unseren Breiten weniger als ein Pfund auf die Waage, sind sie als hilfsbedürftig einzustufen. Interessant ist dabei, dass nach einigen Untersuchungen erheblich leichtere Tiere den Winter überlebt haben.

 

Die Hauptpaarungszeit der Igel liegt zwischen Juni und August. Nach circa 35 Tagen Tragzeit bringt das Igelweibchen vier bis fünf Jungigel zur Welt. Die kleinen Igelkinder haben ein Geburtsgewicht von 12 bis 25 Gramm und 100 weiße Stacheln. Erwachsene Tiere besitzen dagegen 6000 bis 8000 Stacheln, die in der aufgequollen Rückenhaut eingebettet sind. Allmählich öffnen sich nach zwei Wochen die Augen und Ohren der Igeljungen, so dass sie ihre Umwelt endlich wahrnehmen können. Die Igeljungtiere werden rund 42 Tage gesäugt, danach sind sie selbstständig und sind bei der Futtersuche auf sich selbst angewiesen.

 

Unser Wildtier des Jahres 2009 ist aus verschieden Gründen einer Gefährdung ausgesetzt: Der rasant Fortschreitende Siedlungs- und Straßenbau verkleinert sein Lebensräume. Jährlich kommen Hunderttausende Igel durch den Straßenverkehr zu Tode. In unseren so wohlaufgeräumten Gärten fehlt es sehr häufig an Unterschlupfmöglichkeiten und Nahrung. Giftfreies Gärtnern sollte eigentlich die Regel sein, denn Schneckenkorn und Rattengift haben schon so manchen Igel vergiftet. Wenn Giftköder notwendig sind, sollte sie in verdeckten Behältnissen sich befinden.

 

Grundsätzlich ist der Igel ein Wildtier und kein Haustier. Wenn Pflege von gefunden Tieren notwendig ist, dann sollten Pflegemaßnahmen nur von geschulten Personen durchgeführt werden. Tierschutzverein Gladbeck u. Umgebung Am Nattkamp 108, 45968 Gladbeck 02043 - 32310

Michael Korn